Stuttgarter Beitrage zur Naturkunde Serie A (Biologie)

Herausgeber:

Staatliches Museum fiir Naturkunde, Rosenstein 1, D-70191 Stuttgart

Stuttgarter Beitr. Naturk. | Ser. A | Nr. 655 |19S.,3 Abb., 4 Tab. | Stuttgart, 11. XII. 2003 5 5

Die aquatische Invertebratenfauna des Moorkomplexes Wurzacher Ried (Landkreis Ravensburg): Biodiversität, habitatspezifische Artengemeinschaften, Rote-Liste-Status und Zielarten-Konzeption

The aquatic fauna of the raised bog and fen complex “Wurzacher Ried” in southern Germany: Biodiversity, habitat- specific communities, conservation status, and indicator species

WOLFGANG JANSEN, JOCHEN THAM & MICHAEL KOCH

Abstract

Between 1991 and 1996 we collected aquatic macroinvertebrates (MIB) from 28 water bod- ies within the „Wurzacher Ried“, a south German bog and fen complex of 17 km? area that has been awarded the European Diploma for nature reserves. In this baseline study, we docu- mented 581 species of MIB. The three orders Trichoptera, Coleoptera, and Diptera, with more than 120 species each, contributed substantially to the biodiversity among the MIB. The relatively high proportion of specialized bog species among the Trichoptera (12%), the Coleoptera (21%), and the Odonata (23 %) is indicative of the generally natural state of the Wurzacher Ried. In addition to most of the bog specialists, numerous other endangered species were identified, resulting in a relatively high proportion of Red Data book species to the total number of species found. For Gastropoda and Odonata, this proportion amounted to 42% and 58%, respectively. The six types of water bodies differentiated in this study based on their water chemistry and vegetation (raised bog, acid transitional fen, neutral transitional fen, fen, bog forest, and streams) showed typical MIB communities that could be distin- guished taxonomically at both the order and species level. Within each of the six types of wa- ter bodies we found further community differences that mainly correlated with structural fea- tures as, for example, the area of the open water. Based on our findings and literature data, we identified target/indicator species to facilitate the evaluation of future changes in the aquatic habitats of the Wurzacher Ried.

Keywords: Aquatic macroinvertebrates, bog and fen complex, bioindication, biodiversity, endangered species, habitat use.

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Zusammenfassung

Zwischen 1991 und 1996 wurden die aquatischen Makroinvertebraten (MIB) von 28 Ge- wässern des Wurzacher Riedes, eines 17 km? großen süddeutschen Moorkomplexes mit dem Status eines Europadiploms für Naturschutzgebiete, untersucht. Im Rahmen dieser Grund- aufnahme konnten 581 MIB-Arten nachgewiesen werden. Mit jeweils mehr als 120 Arten hatten die drei Ordnungen Trichoptera, Coleoptera und Diptera einen bedeutenden Anteil an der Biodiversität innerhalb der MIB. Von besonderer Bedeutung für die Einschätzung des Rieds als ein intaktes Okosystem ist der relativ hohe Anteil charakteristischer „Moorarten“ an der Gesamtartenzahl bei den Trichoptera (12%), den Coleoptera (21%) und den Odona- ta (23%). Zusätzlich zu den meisten Moorspezialisten fanden sich viele weitere gefährdete Arten, so dass der Anteil der Rote-Liste-Arten an der Gesamtartenzahl zum Beispiel bei den Gastropoda 42% und bei den Odonata 58% betrug. Für die sechs auf Grund ihres Wasser- chemismus und Vegetation unterschiedenen Gewässertypen Hochmoor, Sauer-Zwi- schenmoor, Basen-Zwischenmoor, Niedermoor, Niedermoor-Bruchwald und Fließgewässer konnten teilweise charakteristische Zönosen belegt werden, die sich sowohl auf Ordnungs- wie Artniveau differenzieren liefen. Innerhalb dieser Gewässertypen ergaben sich weitere Besiedlungsunterschiede, die vor allem mit strukturellen Parametern, wie zum Beispiel der Größe der offenen Wasserfläche korrelierten. Basierend auf den vorliegenden Untersuchun- gen und Literaturangaben wurden Ziel- und Zeigerartenlisten erstellt, welche u.a. Vorraus- setzungen für eine Erfolgskontrolle über die MIB schaffen, und damit zur Feststellung und Bewertung von zukünftigen Veränderungen der aquatischen Lebensräume im Wurzacher Ried beitragen.

Inhalt I BEaH leiten ec Er En En a En ER EB ne Bi OR. ER BED FRE ER, 2 2 Untersuchungsgebiet und Probenahmemethodik .......... 0... eee eee eee eee 3 > SEroebinsse und Diskussion at ee es WAR BAR. Was en Ee att ence We ace BEES ESS 6 3:14: GeSamtarterninvontäre. a ress ero nr he hen ae le ee 6 3.2 Vergleich der Artenzusammensetzung einzelner Gewässer und Gewässertypen .. 8 3.3. Abundanz und Gefährdung:von „Mootarten” ......n.. ra nenn 12 3:44 Naturschutzfachlichesäspektes u... Ns use eee re AR Bou Sean at ehren en 15 A: TSOP ALT 44 Mind Ricci RN 3, une EN. nen pees, coleet Saat BEP. Men end 16

1 Einleitung

Moore, insbesondere Hochmoore, sind aus der mitteleuropäischen Landschaft fast völlig verschwunden oder bestehen nur noch als degradierte, vielfältigen Nut- zungsansprüchen ausgesetzte Überreste (GOODWILLIE 1980). Das Wurzacher Ried im Landkreis Ravensburg (Abb.1) gehört zu den vergleichsweise gut erhaltenen Moorkomplexen und umfasst heute die größte zusammenhängende Hochmoor- fläche Mitteleuropas (KAULE 1974). Mit der Aufnahme des Wurzacher Rieds in das Bundesprogramm zur „Sicherung und Förderung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ im Jahr 1987 (Krach et al. 1991) und der Verleihung des Europadiploms für Naturschutzgebie- te im Jahr 1989, wurde ein umfassender Plan zur Sicherung und naturschutzgerech- ten Entwicklung dieses noch weitgehend intakten Moorkomplexes konzipiert (PFADENHAUER et al. 1990, BNL 1991). Zu diesem Zeitpunkt lagen allerdings nur wenige systematische zoologische Untersuchungen zu einigen Tiergruppen vor (RAHMANN et al. 1991). Im Rahmen der „Erfolgskontrolle von Wiedervernässungs- maßnahmen im Haidgauer Torfstichgebiet“ (KOHLER et al. 1994) sowie des „Birk- huhn-Projektes“ (HöverL 1994) wurde dieser Datenbestand wesentlich erweitert. Gleichzeitig entstand ein Monitoringkonzept für eine Dauerbeobachtung des ge-

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samten Rieds (BOcKER et al. 1994). Darin wurde ausdriicklich auf die Notwendig- keit einer möglichst vollständigen Grundaufnahme für die Fauna hingewiesen (Reck et al. 1994), jedoch wurde eine solche Bestandserfassung nicht expliziter Be- standteil der „Entwicklung, Optimierung und Eichung“ (BOcKeER et al. 1995) des Monitoringkonzepts (siehe auch BOcKER 1997). Dennoch konnte über den insge- samt 5-jahrigen Untersuchungszeitraum zumindest für die aquatischen Invertebra- ten eine weitgehende Bestandsaufnahme erreicht werden, die teilweise die räumliche Verbreitung und erste Schätzungen von Abundanzen ausgewählter Ziel- und Zei- gerarten umfasst. Diese Daten werden in der vorliegenden Arbeit zusammenfassend dargestellt, und im Vergleich mit anderen Arbeiten aus Mooren des nördlichen Al- penvorlandes diskutiert und bewertet.

Dank

Dipl.-Biol. A. Burke, Dipl.-Biol. U. LensinG und Dipl-Biol. T. EısenschmiD danken wir für ihre Mithilfe bei der Probenahme. Taxonomische Bestimmung bzw. Revisionen wurden dankenswerterweise von Prof. Dr. L. Beck (Oribatidae), Prof. Dr. H. Buck (Coleoptera), Herrn E. KONZELMANN (Coleoptera), Dipl.-Biol. T. MEYER (Culicidae), Prof. Dr. C. MEIER- Brock (Gastropoda), Dipl.-Biol. T. PEıssner (Trichoptera), Dr. F. Reiss (Chironomidae), Prof. Dr. R. WAGNER (Chaoboridae, Dixidae) und Prof. G. WEIGMANN (Oribatidae) durch- geführt. Zwei anonymen Gutachtern danken wir für die Durchsicht des Manuskripts. Das Projekt wurde aus Mitteln des Umweltministeriums Baden-Württemberg finanziell unter- stutzt.

2 Untersuchungsgebiet und Probenahmemethodik

Das Wurzacher Ried liegt im Südosten Baden-Württembergs etwa 50 km südlich von Ulm und hat eine Gesamtfläche von etwa 1715 ha (Abb. 1). Die durchschnittli- che Moormächtigkeit beträgt etwa 4m und die maximalen Mächtigkeit im Bereich des Haidgauer Schildes 9,5 m (GOTTLICH 1968). Etwa ab 1870 begann die großßmaß- stäbliche Entwässerung größerer Moorgebiete für die Torfgewinnung, in dessen Folge die Torfbildung in weiten Teilen des Rieds zum Stillstand kam (GERMAN 1968). Neben dem bäuerlichen Handtorfstich begann im Jahre 1920 der industrielle Torfabbau im Haidgauer Torfstichgebiet (Abb.1). Dabei wurde der Moorwasser- spiegel bis zu 1,5 m gesenkt und Entwässerungsgräben bzw. Torfstiche bis auf die teilweise anstehende Kalkmudde geführt.

Zur Erfassung der charakteristischen Makroinvertebraten (MIB)-Zönosen der verschiedenen Moorzonationen wurden aus der Vielzahl der im Wurzacher Ried vorkommenden Wasserkörper 23 Gewässer dahingehend ausgesucht, dass alle anzu- treffenden Gewässertypen repräsentiert waren (Hauptuntersuchungsgewässer). Diese Typisierung basierte im Wesentlichen auf dem Fließcharakter, der Gewässer- struktur, der Vegetation und der Wasserchemie (Tab. 1). Bedingt durch das heutige weitgehende Fehlen natürlicher Moorgewässer, wie einem bis in die 30er Jahre vor- handenen Hochmoorkolk und größerer, permanenter Schlenken, konzentrierten sich die Untersuchungen auf die Entwässerungsgräben und gefluteten (Industrie-) Tortstiche des Haidgauer Torfstichgebiets sowie auf Fließgewässer, Handtorfstiche und Bruchwaldtümpel der Riedrandbereiche (Abb.1). An den Hauptuntersu- chungsgewässern wurden zwischen 1991-1996 in mindestens zwei Jahren 14-tägig (zwischen April und Oktober) oder monatlich (November bis März) chemisch- physikalische Parameter mit Standardverfahren erhoben (JANSEN 1999, THAM 2000).

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JANSEN ET ALII, INVERTEBRATEN DES WURZACHER RIEDS 5

Tab. 1. Zusammenfassende Charakterisierung der Hauptuntersuchungsgewässer in den ver- schiedenen Moorzonationen (Moortyp) und an den Fliefßgewässern. Die Einteilung nach Moortypen erfolgte aufgrund limnochemischer Daten (Klassifizierung nach GREMER 1991) sowie charakteristischen Vegetationselementen (SCHUCKERT 1998). Angegeben sind der pH- Wert, die Leitfähigkeit (LF) sowie der Gehalt an Calcium und gelöstem organischen Kohlen- stoff (DOC). Zur Lage der Probenahmestellen siehe Abb.1; HA = Haidgauer Ach, TK = Torfwerkskanal. Zur Größe und Struktur einzelner Gewässer siehe im Text sowie JANSEN (1999: 22, 70) und Koch (1996: 23-46).

Gewässer Nummer

limnochemische

Charakteristik

Moortyp Vegetation

intaktes

Hochmoor

gestortes

ombrotroph-sauer pH: 3,8-4,3; LF: 20-40 pS

DOC: 18-32 mg/l

Ca?+: 0,9-1,1mg/l

ombrotroph-sauer

Sphagnum magellanicum Vaccinium oxycoccus Drosera rotundifolia

Eriophorum vaginatum

Sphagnum cuspidatum

Molinia caerulea Pinus mugo

Hochmoor pH: 3,4-4,3; LF: 41-86 pS DOC: 22-38 mg/l

Ca?+: 1,1-3,5 mg/l

Sauer-

Sphagnum cuspidatum Zwischenmoor

Carex rostrata

ombrominerotroph-sauer

pH: 3,8-4,5; LF: 30-80 pS DOC: 15-38 mg/l Ca2+:5,0-15,0 mg/l

Braunmoose Carex rostrata

Basen- Zwischenmoor

13541,.51, 42, 62

ombrominerotroph- subneutral pH: 5,1-6,4; LF: 50-130 pS DOC: 10-18 mg/l Ca?+: 12,0-22,0 mg/l

Niedermoor Seggenriede Bruchwald

11, 31, 50, 34, 60

Carex paniculata Typha latifolia Frangula alnus Birken-Erlenbruchwald

minerotroph-neutral pH: 5,6-7,2; LF: 140-550 pS DOC: 8-18 mg/l Ca?*+: 15,0-62,0 mg/l

Phragmites australis Mentha aquatica Nuphar lutea Chara contraria

circumneutral pH: 5,8-7,5; LF: 400-750 pS DOC: 4,5-9,0 mg/l Cat: 51,0-94,0 mg/l

Fließgewässer

Alle Stehgewässer und repräsentative Abschnitte im Ober-, Mittel- und Unterlauf der Fließgewässer wurden morphometrisch vermessen, die Vegetation kartiert und regelmäßig Pegel abgelesen bzw. Fließgeschwindigkeiten (Strömungsmessgerät MiniAir 2, Firma Schildknecht) gemessen (KOCH 1996, JANSEN 1999, THAM 2000). Für die Haidgauer Ach (1995/1996) und Torfstich 5 (1991) wurden 3-, bzw. 6-mal jährlich über 24 Stunden Temperaturen 3-stündlich in sechs Wassertiefen (Torfstich 5) gemessen. Neben den Hauptuntersuchungsgewässern wurden sechs weitere Ge- wässer bzw. Gewässerabschnitte (in Abb.1 Probenahmestellen ohne Kodierung) sporadisch (ein- bis zweijährlich über 1-3 Jahre) auf Wasserchemismus und MIB untersucht, so dass das hier ermittelte Artinventar von insgesamt 28 Gewässern mit 33 Probenahmestellen stammt.

6 STUTTGARTER BEITRAGE ZUR NATURKUNDE Ser. A, Nr. 655

In den Jahren 1992 und 1993 wurden alle Probenahmestellen der Hauptuntersu- chungsgewässer (Abb. 1) drei- bis viermal jährlich mittels Handkeschern und Hand- ablesen von Grobsubstrat qualitativ auf MIB beprobt. Zusätzlich wurden 1993 und 1994 an sechs Stehgewässern jeweils eine Emergenzfalle und 1995-1996 an der Haidgauer Ach (Abb. 1) jeweils drei Emergenzfallen am Ober- und Mittellauf auf- gestellt und zweiwöchentlich zwischen April und Oktober geleert. An diesem natürlichen Moorbach und am künstlich angelegtem Torfwerkskanal (Abb. 1) wur- den zwischen 1994-1996 bzw. im Torfwerkskanal nur 1994 jeweils dreimal jährlich 15 Surber-Proben (30 x 30cm Grundfläche) auf allen vorhandenen Substrattypen genommen, Driftnetze (8 x 50 cm Öffnung; 254 um Maschenweite) über 24 Stunden exponiert sowie Lichtfallenfänge auf adulte Insekten durchgeführt. Im Jahr 1996 wurden zwischen April und Juni die Makrophyten der Haidgauer Ach fünfmal auf epiphytisch lebende MIB untersucht. Die Maschenweite aller verwendeten Netze betrug 254 um. In allen Untersuchungsjahren wurde an 5-6 Stehgewässern (von ins- gesamt 22 Gewässern) an 4-10 Tagen nach Libellenexuvien gesucht sowie sowohl frischgeschlüpfte wie eierlegende Adulti beobachtet, wobei nur nachgewiesener- maßen bodenständige Arten (Exuvien- oder Larvalnachweise am Gewässer) als den MIB zugehörig berücksichtigt wurden. Schließlich wurden an einem gefluteten Torfstich (Gewässer 5) zwischen 1991-1993 regelmäßig ca. 400 ml große Proben von flutendem Sphagnum cuspidatum entnommen und auf Insekten, Zooplankton und Milben ausgelesen. Obwohl zumindest das Zooplankton meist nicht den MIB zugerechnet wird, sind aufgrund der epiphytischen, substratgebundenen Lebens- weise die hier untersuchten Arten in die Gesamtartenliste (Tab. 2) mitaufgenommen worden. In Abb. 3, für die nur die mit vergleichbarer Untersuchungsintensität aller Taxa erhobenen Hauptuntersuchungsgewässer berücksichtigt wurden, sind Zoo- plankton und Milben nicht aufgenommen.

Zusätzlich zu den Daten zu Populationsdichten aus den Erhebungen mit Surber, Emergenzfallen und Sphagnum-Proben wurden Abundanzen der Hauptarten bzw. höheren Taxa aus den Lichtfallen- und Handkescherfängen ermittelt, bzw. abge- schätzt. Neben den aktuellen Felderhebungen wurden für die Erfassung des Ar- teninventars des Wurzacher Riedes ältere Daten aus den Arbeiten von PEISSNER (1986), KocH (1989), LANG (1990), LÖDERBUSCH (1989) und König (1992) für die in der vorliegenden Arbeit untersuchten Gewässer berücksichtigt. Zur Klassifikati- on der Besiedlungsverhältnisse der verschiedenen Untersuchungsgewässer auf der Basis der An- bzw. Abwesenheit einzelner Arten wurde eine Cluster-Analyse nach WarD (Orrocı 1967) durchgeführt. Dazu wurden die quadrierten euclidischen Distanzen (ED = Zy(yxi-yxj)?), für yki= An-/Abwesenheit der Art k am Gewässer i zwischen allen möglichen Gewässerpaaren errechnet und in einem Dendrogramm dargestellt.

3 Ergebnisse und Diskussion

3.1 Gesamtarteninventar

Aus den insgesamt 28 in dieser Arbeit untersuchten Gewässern des Wurzacher Riedes sind 581 MIB-Arten bekannt (Tab. 2). Dabei wurden aus Stehgewässern 418, aus Fließgewässern 269 Arten nachgewiesen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass allein aufgrund der bisher mangelnden Auswertung und Determination der Dipte-

JANSEN ET ALII, INVERTEBRATEN DES WURZACHER RIEDS 7

Tab. 2. Insgesamt im Wurzacher Ried bislang nachgewiesene Artenzahlen aquatischer Inver- tebraten aus 16 taxonomischen Gruppen mit einer Auswahl naturschutzfachlich bedeutender Arten. Angegeben sind die Zahlen für Steh- (STG) und Fließgewässer (FLG) sowie die Ge- samtzahl (SUM). Eine ! bezeichnet nicht systematisch untersuchte Gruppen, bei denen auch keine vollständige Artdetermination erfolgte; eine ? taxonomische Gruppen die zwar im ent- sprechenden Habitat untersucht, jedoch meist nicht bis zur Art determiniert wurden; > nur Crustacea; * Arten aus Tabelle 3 nicht nochmals aufgeführt; ein „-“ unter Gewässertyp be- zeichnet fehlende Erhebungen.

Taxon

naturschutzfachlich bedeutende Arten

Zooplankton

Turbellarıa ! Oligochaeta ! Hirudinea Crustacea Gastropoda

Bivalvıa Acari ! Odonata *

Ephemeroptera Heteroptera Megaloptera Trichoptera +

Acantholebris curvirostris, Chydorus ovalis

Astacus astacus, Niphargus spec. Acroloxus lacustris, Hypeutis complanatus,

Valvata pulchellum

Porolohmanella violacea

Sympecma paedisca, Orthetrum corulescens, Calopteryx virgo Ephemera danica, Caenis robusta Notonecta lutea, Hesperocorixa linnaei

Phacopteryx brevipennis, Ithytricha

lamellaris

Plecoptera -

Coleoptera * Illybins subaenus, Graphoderus cinereus Diptera® Mochlonyx martinii

ren der Fließgewässer sowie generell der Oligochaeten und Acari die Gesamtarten- zahl innerhalb der bisher untersuchten Gruppen um insgesamt wenigstens 150 Ar- ten höher liegen dürfte. Dies auch deshalb, da im Wurzacher Ried noch viele weite- re, von uns nicht untersuchte Klein- und Kleinstgewässer existieren. Fast 33 % aller im Wurzacher Ried nachgewiesenen Diptera-Arten wurden nur an einem einzigen Standort gefunden (KocH 1996). Es ist somit wahrscheinlich, dass mit steigender Anzahl von Untersuchungsgewässern auch weitere Arten gefunden werden. Ge- genüber dem Stand des Jahres 1992 (Jansen et al. 1993) hat sich die Artenzahl der MIB um 243, d.h. um 72% erhöht, eine Tatsache, die den deutlich verbesserten Un- tersuchungsstand der Fließßgewässer insgesamt (z.B. EISENSCHMID 1995, THAM et al. 1996a, LENSING 1997), und dabei insbesondere der Trichopteren (z.B. THaM et al. 1997a), sowie die (teilweise) erfolgte Determination wesentlicher Dipteren-Familien (KocH 1996, 1997) widerspiegelt. Die letztgenannten beiden Taxa sowie die Cole- opteren haben mit jeweils über 120 Spezies (Tab. 2) einen gemeinsamen Anteil an der Gesamtartenzahl der MIB von 65 %. Die für diese drei Ordnungen sowie für die Li- bellen im Wurzacher Ried nachgewiesenen Arten repräsentieren zudem einen be- deutenden Anteil an der für Süddeutschland insgesamt bekannten Artenzahl des je- weiligen Taxons. So finden sich mehr als 35 % aller 235 (Kııma et al. 1994) aus Bay- ern und Baden-Württemberg bekannten Trichopterenarten im Wurzacher Ried. Für die Libellen liegt dieser Anteil, selbst wenn nur die 40 im Ried bodenständigen Ar-

8 STUTTGARTER BEITRAGE ZUR NATURKUNDE Ser. A, Nr. 655

ten (JANSEN et al. 1997) berticksichtigt werden, sogar bei 54% (insgesamt 74 Arten in Bayern und Baden-Württemberg; KUHN & BURBACH 1998, STERNBERG & BUCH- WALD 1999/2000).

Fur das Murnauer Moos, einem ebenfalls relativ gut untersuchten Moorkomplex des stiddeutschen Alpenvorlandes, konnte BURMEISTER (1982) 454 aquatische Insek- tenarten nachweisen. Unter Berücksichtigung identischer Ordnungen bzw. Famili- en liegt die entsprechende Zahl für das Wurzacher Ried bei 461 Arten. Insbesonde- re die innerhalb einiger Taxa belegten hohen Anteile an der in Süddeutschland be- kannten Fauna deuten an, dass Moorkomplexe für die in ihren sonstigen Lebensräumen oft stark beeinträchtigten MIB (z.B. KINZELBACH 1978, BURMEISTER & BURMEISTER 1985) ein vielfältiges Habitatspektrum bieten, dessen Nischenange- bot von der aquatischen Fauna weitgehend ausgenutzt wird.

3.2 Vergleich der Artenzusammensetzung einzelner Gewässer und Gewässertypen

Hinsichtlich des Artenvorkommens an einzelnen Gewässern bzw. Gewässerty- pen/Moorzonationen sind sowohl große Unterschiede in den Artenzahlen zwischen den Gewässern, als auch einige deutliche Muster im Vorkommen und der relativen Bedeutung höherer Taxa zwischen den Gewässertypen zu erkennen. So schwankte allein innerhalb der reinen Stehgewässer (Gewässer 11 besitzt temporären Fließcha- rakter) die jeweils nachgewiesene Artenzahl zwischen 23 ım „intakten“ Hochmoor- gewässer 1 und 92 Arten im Basen-Zwischenmoor Gewässer 13 (Abb. 2). Mit bisher 143 nachgewiesenen Spezies hat die Haidgauer Ach die deutlich höchste Artenviel- falt aller Gewässer, und dies obwohl die Dipteren dieses natürlichen Moorbachs we- niger gut untersucht sind als die der Stehgewässer. Ähnlich deutliche Unterschiede in der artenmäßigen Besiedlung verschiedener Moorgewässer sind auch aus dem Murnauer Moos bekannt (für Wasserkäfer siehe BURMEISTER 1982, $. 227-261).

Neben möglichen anderen, nicht von uns untersuchten Faktoren, wie beispiels- weise dem Prädatorendruck (z.B. BEHR 1988), scheinen für die Besiedlungsunter- schiede zwischen den Gewässern des Wurzacher Riedes insbesondere der Wasser- chemismus (THAM & JANSEN 1996, THAM et al. 1997b, THamM & RAHMANN 1997, THAM 2000) und die Habitatstruktur (JANSEN & RAHMANN 1994, JANSEN et al. 1994, 1996) verantwortlich zu sein. So war die im Durchschnitt deutlich geringere Arten- zahl der Hochmoor- gegenüber den Basen-Zwischenmoor- und Niedermoor-Ge- wässern u.a. mit dem fast kompletten Ausfall der in Abb. 2 mit unter „sonstige“ auf- geführten Gruppen Tricladida, Oligochaeta, Hirudinea, Malacostraca, Plecoptera und Ephemeroptera sowie den Mollusca verbunden. Das dauerhafte Vorkommen vieler dieser schon von PEus (1932) als tyrphoxene Faunenelemente beschriebenen Taxa ist im Hochmoor wahrscheinlich aufgrund der Aziditat und der Ionen-Armut, insbesondere des Mangels an Calcium-Ionen physiologisch unmöglich (SUTCLIFFE 1971). Demgegenüber wiesen beispielsweise die typischen Niedermoorgewässer ei- ne relativ artenreiche Molluskenfauna auf (Abb. 2). Im Gegensatz zu den tyrphoxe- nen Taxa traten, wenn auch mit teilweise deutlich unterschiedlichen Artenzahlen, Odonata, Trichoptera, Coleoptera und Diptera in allen untersuchten Gewässerty- pen auf. Dabei fanden sich bei den Coleoptera (JANSEN et al. 1999), insbesondere aber bei den Trichoptera (THaM 1994; THam et al. 1996b, 1997a) und der Dipteren- familie Chironomidae (KocH 1996) in den einzelnen Hochmoorgewässern im We- sentlichen immer die gleichen (spezialisierten) Arten, während fast jedes Nieder-

JANSEN ET ALII, INVERTEBRATEN DES WURZACHER RIEDS

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STUTTGARTER BEITRÄGE ZUR NATURKUNDE Ser. A, Nr. 655

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Artenübereinstimmung (%) on oO

Hl l im

1 2 33 3 1032 62 4 13 5 6 11313440 41 60 42 51 6150 TW HA

Untersuchungsgewasser

Abb. 3. Dendrogramm der prozentualen Artenübereinstimmung innerhalb der aquatischen Makroinvertebraten von 23 Gewässern im Wurzacher Ried (nach Orrocı 1967, siehe Kapitel 2).

moorgewässer - inklusive der Bruchwaldtümpel - eine weitgehend spezifische Ar- tengemeinschaft aufwies, so dass die für diesen Gewässertyp insgesamt nachgewie- sene Artenzahl deutlich höher war als diejenige der Hochmoorgewässer.

Bezüglich der Bedeutung der Habitatstruktur für die Artenvielfalt ist festzustel- len, dass der bis auf die Bruchwaldgewässer für alle Moortypen in Abb. 2 zu erken- nende Anstieg der Artenzahlen entlang der x-Achse, deutlich mit der Größe bzw. der strukturellen Vielfalt der Gewässer korrelierte. Innerhalb der Hochmoorgewäs- ser war dieser Zusammenhang besonders ausgeprägt, wobei vor allem die Bedeutung der nur bei den gefluteten Torfstichen 5 und 6 vorhandenen größeren (> 100 m?) of- fenen Wasserfläche und -tiefe (> 1m) hervorzuheben ist. Dies wird auch über die Cluster-Analyse der Untersuchungsgewässer hinsichtlich ihrer Artenähnlichkeit deutlich. So gruppieren die beiden großen Torfstiche (Gewässer 5 und 6), die unter- einander in etwa 90% ihrer Arten übereinstimmen, generell mit den (überwiegend) Hochmoorgewässern des Clusters A (Abb. 3). Allerdings besteht mit etwa 65% die größte Artenübereinstimmung zu den beiden relativ großen und tiefen Nicht- Hochmoorgewässern (4 und 13), während sie zu den wasserchemisch sehr ähnli- chen, aber deutlich kleineren, flacheren und strukturärmeren Gewässern 2 und 3 nur knapp 30% beträgt (Abb.3). Neben Größe und Habitatvielfalt (siehe auch Ab- schnitt 3.4) liegt ein wesentlicher Grund für den relativen Artenreichtum der Hochmoor-Torfstiche (5 und 6) und der jeweils größten Gewässer im Sauer-Zwi- schenmoor (4) und Basen-Zwischenmoor (13) in ihrem Temperaturregime. Obwohl Hochmoorschlenken (STERNBERG 1993a) und andere Moor-Kleingewässer (W. JAN- SEN, unveröffentlichte Daten) besonders im zeitigen Frühjahr warme Habitatinseln bilden, so frieren diese Gewässer im Wurzacher Ried komplett durch. Somit ist

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Durchfrierung besonders für die Hochmoorschlenken ähnlichen Gewässer 1, 2 und 3 ein besiedlungsbegrenzender Faktor, während die hauptsächlich aufgrund ihres Wasserchemismus als Hochmoorgewässer einzustufenden großen Torfstiche 5 und 6 ganzjährig ungefrorenes Wasser besitzen, und damit Refugialhabitat für überwin- ternde Stadien von MIB-Arten sind.

Von den unterschiedlichen Habitaten der Torfstiche 5 und 6 profitieren insbeson- dere die Libellen (Jansen et al. 1997), Käfer (JANSEN et al. 1999), Wasserwanzen (Burke 1994) und Chironomiden (KocH 1996), die zumindest in einem dieser bei- den Gewässer deutlich höhere Artenzahlen aufwiesen als an allen übrigen Hochmoorgewässern. Der Artenreichtum des Grabens 10 erklärt sich einerseits aus seinem temporären Fließcharakter, der zu einer (zusätzlichen) Besiedlung rhoetole- ranter Arten (z.B. Platambus maculatus, Habrophlebia lauta, Limnephilus nigriceps, Zavrelimyia barbatipes) führte. Darüber hinaus unterscheiden sich die Vegetation und Morphometrie der zwei eng benachbarten Probenahmestellen im Graben 10 deutlich, eine Tatsache, die sich in einer unterschiedlichen Besiedlung durch MIB- Arten widerspiegelt, und insgesamt in der relativ hohen Artenzahl dieses Gewässers resultiert. Für den aufgezeigten besiedlungsbeeinflussenden direkten wie indirekten Effekt von Wasserchemismus und Gewässerstruktur spricht weiterhin, dass das nur etwa 1 m? große schlenkenähnliche Gewässer im „intakten“ Hochmoor (Gewässer 1) sowie ein unwesentlich größerer verlandeter Handtorfstich mit Sauer-Zwi- schenmoor-Charakter (Gewässer 40) mit 23 bzw. 29 Spezies die geringste Artendi- versitat aller untersuchten Gewässer aufwiesen, und dass innerhalb der Fließßgewäs- ser der strukturärmere Torfwerkskanal gegenüber der strukturell vielfältigeren und insgesamt naturnaheren Haidgauer Ach deutlich artenärmer war. Dennoch zeigten die beiden Fließgewässer eine etwa 60%ige Artenübereinstimmung und unterschie- den sich relativ deutlich von den anderen Gewässern des Clusters B (Abb. 3).

Ein markanter Effekt der Beschattung durch höhere, dichte Vegetation, und da- mit auch einer Isolation des Gewässers für flugaktive Insekten (z.B. MEYER & DETTNER 1981 und BEHR 1988 für Coleoptera), oder der Wassertemperatur (z.B. STERNBERG 1993b für Odonata) auf die Artenzusammensetzung der MIB, wie er aus einer Reihe von Untersuchungen aus Moorgebieten bekannt ist, war für die Gewäs- ser des Wurzacher Riedes nicht eindeutig nachzuweisen. Mögliche Ursachen dafür sind, dass sich, mit Ausnahme der drei Bruchwaldgewässer, der Beschattungsgrad an den übrigen Untersuchungsgewässern nicht genügend voneinander unterschied, um einen deutlichen Besiedlungseffekt hervorzurufen (für Coleoptera siehe JANSEN et al. 1999), und dass die für die meisten Stehgewässer 14-tägig gemessene Ober- flächentemperatur ein nur ungenügender Indikator des Temperaturregimes eines Gewässers mit seinen kleinräumigen und tageszeitlichen Schwankungen darstellt.

Die mit 30 bzw. 35 Spezies relativ artenarme Fauna der zwei flächenmäßig ahnli- chen Niedermoor-Bruchwaldgewässer zeichnete sich durch einen, je nach Insekten- Ordnung unterschiedlich hohen Anteil an Arten aus, die an anderen Gewässertypen nicht nachgewiesen wurden. Die Besonderheit der Bruchwaldgewässer spiegelt sich auch in der geringen Artenübereinstimmung mit anderen Niedermoorgewässern wi- der, während sie jeweils eine hohe Faunenähnlichkeit mit den Zwischenmoorgewäs- sern 40 und 41 zeigen (Abb. 3). Im Gegensatz zu den Odonata und Coleoptera, die nicht mit „Bruchwaldspezialisten“ nachgewiesen werden konnten, waren es bei den Diptera (Aedes communis, Macropelopia notata; KocH 1996) und bei den Trichop- tera (Phacopteryx brevipennis, Trichostega minor; THAM et al. 1997a) jeweils zwei

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Arten, die ausschließlich in den Bruchwaldgewässern vorkamen. Dabei stellten in den Gewässern 60 und 34 die Diptera mehr als 50% der Arten (Abb. 2), wobei be- sonders die Culiciden arten- und sehr individuenreich vertreten waren (JANSEN et al. 1996, KocH 1996). Für diese teilweise auch quantitativen Besiedlungsunterschiede der MIB-Zönose der Bruchwaldgewässer sind sicherlich sowohl biotische Faktoren, wie insbesondere dem Fehlen der Libellen als Rauber, als auch mehrere abiotische Standortfaktoren verantwortlich. So unterscheiden sich neben der im Vergleich zu allen anderen Gewässertypen deutlich stärkeren Beschattung, und der damit ver- bundenen geringeren diurnalen und saisonalen Temperaturamplitude des Wasser- körpers, die Waldgewässer aufgrund ihres hohen allochthonen (Laub)Eintrages lim- nochemisch und trophisch teilweise deutlich von den meist oligotrophen Hochmoorgewässern. Darüber hinaus trocknen die relativ flachen Bruchwaldge- wässer in den meisten Jahren vollständig aus, so dass sie im Wesentlichen nur von Arten mit an diese Verhältnisse angepassten Lebenszyklen besiedelt werden können. Dies sind, wie beispielsweise bei den Culiciden, Arten mit einer schnellen Larval- entwicklung im Frühjahr, so dass das relativ langlebige Adultstadium vor der Trockenperiode erreicht wird. Weiterhin finden sich in den Bruchwaldgewässern be- stimmte Chironomiden, wie zum Beispiel Arten der Gattungen Chironomus und Polypedilum, die als Larven eine hohe Toleranz gegenüber zeitweiser Austrocknung ihres Lebensraums aufweisen (KOCH 1996). Schließlich besiedeln besonders inner- halb der Trichopteren einige Arten (z.B. Glyphotaelius pellucidus, Trichostega mi- nor) die Bruchwaldgewässer, welche eine Adultparapause im Sommer durchlaufen (Maricxy 1992).

3.3 Abundanz und Gefährdung von „Moorarten“

Bei einer Beurteilung des Wurzacher Riedes als Lebensraum für MIB ist mehr als die absolute Zahl nachgewiesener Arten das Auftreten ansonsten in ihren Beständen gefährdeter (Rote Liste, RL) Arten, und insbesondere das Vorkommen sowie die Abundanz der für die unterschiedlichen Habitate eines Moorkomplexes typischen Faunenelemente („Moorarten“) von Bedeutung. Dabei zeigt sich, dass innerhalb ei- niger der faunistisch und ökologisch bedeutenden Ordnungen ein relativ hoher An- teil gefährdeter Arten besteht (Tab. 3). Besonders deutlich wird dies bei den Odona- ta, für die knapp 60% aller im Ried reproduzierenden Species RL-Arten sind (Tab. 4). Darüber hinaus sind mit Aeshna subarctica, Coenagrion hastulatum, Leu- corrhinia pectoralis, Leucorrhinia rubicunda und Nehalennia speciosa fünf der sieben in Baden-Württemberg vom Aussterben bedrohten Arten als „Moorarten“ einzu- stufen (Tab.3), d.h. sie kommen schwerpunktmäßig (aber nicht unbedingt aus- schließlich) in Moorkomplexen vor. Von allen Moorhabitaten zählen insbesondere Hochmoore zu den von vollständiger Vernichtung bedrohten Lebensräumen (RIECKEN et al. 1994), und dementsprechend sind viele ihrer Charakterarten gefähr- det. Dies gilt auch für die drei Hochmoorspezialisten unter den Libellen des Wurz- acher Rieds: A. subarctica, L. dubia und S. arctica.

Interessanterweise haben unter den Libellen und, wenn auch weniger deutlich, bei den Käfern die meisten „Moorarten“ des Wurzacher Riedes ihren heutigen Verbrei- tungsschwerpunkt in den großen gefluteten Torfstichen des gestörten Hochmoores im Haidgauer Torfstichgebiet. Dort kommen diese „Moorarten“ teilweise hoch- abundant vor (Tab. 3), so dass höchstwahrscheinlich ein Großteil der jeweiligen Ge- samtpopulation des Riedes in dem anthropogen geprägten Teilbereich ihr Repro-

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Tab. 3. Vorkommen nach Habitattyp, Bestandsabschätzung (BA) und Rote-Liste-Status (RL) der im Wurzacher Ried nachgewiesenen moortypischen Zielarten unter den Odonata, Trich- optera, aquatischen Coleoptera und Diptera; Zeigerarten (siehe Text) in Fettdruck. Die Ein- stufung der Moorbindung (MoorB) erfolgte unter Berticksichtigung von Literaturangaben: TB = tyrphobiont, TP = tyrphophil, C = für Moorkomplexe charakteristisch (aber nicht TB oder TP), AZ = acidophil. - Habitattypen: HM = Hochmoor, gHM = gestörtes Hochmoor (Torfstiche und Entwässerungsgräben mit weitgehend hochmoortypischem Wasserchemis- mus), ZWM = Zwischenmoor, NM = Niedermoor (alle Niedermoorvarianten bis auf Bruch- wälder), NMB = Niedermoor-Bruchwald, FLG = Fließgewässer. - Verwendete Rote Listen siehe Tab. 4. * = keine Rote Liste vorhanden. Vorkommen sind wie folgt bezeichnet:? = Ein- stufung unsicher, @ = Schwerpunktvorkommen, O = Nebenvorkommen, x = im Habitattyp nachgewiesen, ungenügende Datenbasis für weitergehende Einstufung. Bestandseinstufung: ++ = zahlreiche Vorkommen in zum Teil hohen Abundanzen, + = einzelne Vorkommen in zum Teil hohen Abundanzen, 00 = zahlreiche Vorkommen mit wenigen Individuen, o = ein- zelne Vorkommen mit wenigen Individuen.

HM gHM ZWM NM NMB FLG| BA RL

Odonata Aeshna juncea Aeshna subarctica Coenagrion hastulatum Leucorrhinia dubia Leucorrhinia pectoralis Leucorrhinia rubicunda Nehalennia speciosa Somatochlora arctica Sympetrum danae

o.....0&0..0 eel: sooo WN RR RNR Rb

Trichoptera Berea pullata Glyphotaelius pellucidus Hagenella clathrata Holocentropus picicornis Limnephilus coenosus Limnephilus decipiens Limnephilus elegans Limnephilus politus

| | ¥x¥ OO@! IıOI»ı 1 Ow i Ben

Mystacides longicornis Oligostomis reticulata Oligotricha striata Phacopteryx brevipennis Rhadicoleptus alpestris Trianodes bicolor Trichostegia minor

x | Ol Bio | O@O Ivo wl] ae tl] wctn |

| U zo

Coleoptera Acilius sulcatus Agabus affinis Agabus congener Agabus melanarius Cyphon kongsbergensis Cyphon padi Cyphon punctipennis Enochrus affinis Enochrus coarctatus Enochrus ochropterus Graptodytes granularis

o...- 0e@e: OOOOH OUANOO O1@0!100!1*e@0

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Tab. 3, Fortsetzung

Art HM gHM ZWM NM NMB FLG |BA RL |MoorB

Hydrochus brevis Hydroporus angustatus Hydroporus erythro- cephalus

Hydroporus incognitus Hydroporus melanarius Hydroporus neglectus Hydroporus obscurus Hydroporus scalesianus Hydroporus tristis Hydroporus umbrosus Ilybius aenescens Ilybins guttiger

Nartus grapei

Rhantus suturellus

Ox GO HL: 09 O1 Ö®FM OO0OT ı 8% 101 ex wwl wl wnw |

Diptera Cladopelma bicarinata Lasiodiamesa sphagnicola Monopelopia tenuicalcar Polypedium arundinetum Psectocladius platypus

Telmatopelopia nemorum

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duktionshabitat hat. Dies liegt sicherlich mit daran, dass diese Torfstiche in sich stark strukturiert sind, eine Sukzession von offener Wasserflache zu Verlandungsstadien mit teilweise unterschiedlichen Pflanzengesellschaften aufweisen, und so dimensio- niert sind, dass die Größe der verschiedenen Teilbereiche den jeweiligen spezialisier- ten Libellenarten Reproduktionshabitate bietet, die im übrigen Ried nicht (mehr) vorkommen (siehe BOcKER 1997, Bildtafel 12). In wieweit sich bei konsequenter Durchführung von Renaturierungsmaßnahmen mit dem Ziel einer vollständigen Wiederherstellung einer geschlossenen Hochmoorvegetationsdecke natur- schutzimmanente Konflikte ergeben und welche Lösungsmöglichkeiten bestehen, wird in JANSEN et al. (1997) ausführlich diskutiert. Auch innerhalb der aquatischen Käfer existiert mit 26 Arten ein relatıv hoher Anteil der „Moorkäfer“ an der Ge- samtartenzahl (Tab.3 und 4). Basierend auf der Einstufung durch HEBAUER (1994) ermittelten JANSEN et al. (1999) einen Anteil der tyrphobionten und tyrphophilen Arten von jeweils knapp 70% an den für diese Lebensraumtypen potentiell im Wurzacher Ried zu erwartenden Arten. Hervorzuheben sind dabei die abundanten Vorkommen der tyrphobionten Arten Cyphon kongsbergensis und Ilybius aenes- cens. Darüberhinaus dominiert der tyrphobionte Hydroporus obscurus besonders in den sphagnumreichen Gewässern die Individuendichte der aquatischen Käferzöno- se, welche insgesamt als ausgesprochen moortypisch gelten muss (JANSEN et al. 1999).

Bei den meisten anderen Ordnungen ist der Anteil der „Moorarten“ deutlich ge- ringer als bei den Libellen und Käfern (vergleiche auch Tab. 3). Dies liegt einerseits an der weitgehend unbekannten Autökologie vieler Arten, so dass eine Charakteri-

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Tab. 4. Anzahl bodenständiger Arten mit Rote—Liste-Status und charakteristische Arten für Moorkomplexe (Moorarten) innerhalb vier Ordnungen aquatischer Makroinvertebraten mit hoher Untersuchungsintensitat. - Quellen der Roten Listen: Odonata für Baden-Württem- berg (STERNBERG & BUCHWALD 1999/2000), Trichoptera für Süddeutschland (Kıma et al. 1994), Coleoptera für Bayern (HEBAUER 1992).

Gesamt- Rote-Liste-Status RL-Arten Moorarten artenzahl (% gesamt) (% gesamt) 0 1 2 Odonata 0 7 7 23 (58%) 9 (23%) Coleoptera 124 1 2 3 10 2 18 (15%) 26 (21%) Trichoptera 123 0 3 3 10 6 22 (18%) 15 (12%) Gastropoda 26 0 1 2 4 4 11 (42%) —(-)

sierung von „Moorarten“ nicht sinnvoll möglich ist. Außerdem spielen innerhalb ei- niger Gruppen, wie auch bei den Trichoptera und Diptera, die relativ geringe Anzahl bekannter „Moorarten“ in der großen Artenfülle zum Teil ubiquitärer Feuchtge- biets- oder spezialisierter Fließwasserarten prozentual eine untergeordnete Rolle. Diese Feststellung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Wurzacher Ried auch für Trichoptera und Diptera einen wesentlichen Lebensraum für „Moor- arten“ und andere gefährdete Arten darstellt, zumal wenn auch Abundanzen berücksichtigt werden. So dominieren beispielsweise die tyrphophile Phrygaenide Oligotricha striata sowie die tyrphobionte Chironomide Psectrocladius platypus die Individuendichte der Trichopteren- bzw. Dipterenzönose des (gestörten) Hochmoores (THAM 1994, KocH 1996). Andere Arten, wie zum Beispiel die tyr- phobionte Trichoptere Limnephilus elegans (THaM et al. 1996b) und die tyrphophi- le Chironomide Cladopelma bicarinata (KocH 1996) besitzen im Wurzacher Ried ihr bisher einziges bekanntes Vorkommen in Baden-Württemberg. Dies gilt auch für einige andere Arten, die nicht als typische Hochmoorbewohner bekannt sind. So konnte KocH (1997) die in Deutschland insgesamt ausgesprochen seltene Chaobo- ride Mochlonyx martinii im Wurzacher Ried an mehreren Hochmoorgewässern und einem Bruchwaldgewässer stetig und teilweise abundant nachweisen. Auch die in Baden-Württemberg sehr seltene Trichoptere Trichostegia minor, eine typische Bruchwald- und Auenart, tritt in den Bruchwald-Torfstichen des Wurzacher Riedes häufig auf. In Tab.2 sind weitere MIB-Arten des Wurzacher Riedes aufgeführt, die aufgrund ihrer Gefährdungssituation, ihres charakteristischen Vorkommens in Hochmoorgewässern und/oder ihres Potentials als Zeigerarten für lebensraumtypi- sche, ökologische Rahmenbedingungen oder bestimmten Habitatqualitäten und/oder -strukturen von naturschutzfachlichem Interesse sind (siehe Abschnitt 3.4). Auch diese Artenvorkommen unterstreichen die überragende Bedeutung des Wurzacher Riedes als Lebensraum für aquatische MIB.

3.4 Naturschutzfachliche Aspekte

Ein Ziel dieser Untersuchungen war es, eine möglichst komplette Grundaufnah- me der MIB-Arten des Wurzacher Riedes zu erhalten. Diese ist Vorraussetzung für eine faunistische-naturschutzfachliche Bewertung des Ist-Zustandes, und insbeson-

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dere des Zielarteninventars (Tab. 3) vor Durchführung von Renaturierungsmaßnah- men. Dabei sind in Tabelle 3 nur solche Arten berücksichtigt, die bisher im Wurza- cher Ried nachgewiesen sind, nicht aber Spezies, die als charakteristische Moorarten des nördlichen Alpenvorraums im Wurzacher Ried zu erwarten wären (siehe THAM & RAHMANN 1997) oder möglicherweise verschollen sind und deren Wiederansied- lung als Ziel und Erfolgsmaßstab gelten könnte. Darüber hinaus sollten für eine zukünftige Erfolgskontrolle im Wurzacher Ried MIB-Arten herausgefiltert werden, die aufgrund ihres Vorkommens und ihrer Abundanz adequate Lebensvorausset- zungen in den verschiedenen aquatischen Habitattypen (inklusive der angrenzenden terrestrischen Imaginalhabitate) anzeigen. Solche repräsentativen Stellvertreter für die entsprechenden Zönosen sollten mit vertretbarem Aufwand zu erheben und zu bestimmen sein. Diese sogenannten Zeigerarten (RIECKEN 1992) sind in Tabelle 3 in Fettdruck dargestellt. Über diese Indikatoren wichtiger Lebensvoraussetzungen, wie zum Beispiel adäquater aquatischer wie terrestrischer Habitatstrukturen, funk- tionsfähiger Lebensraumvernetzung, oder ausreichenden Nahrungsangebots beste- hen für die aquatischen Makroinvertebraten gute Voraussetzungen für die zukünfti- ge Feststellung und Bewertung von Veränderungen im Wurzacher Ried. Eine aus- führliche Darstellung der konzeptionellen wie praktischen Vorgehensweise einer solchen Erfolgskontrolle findet sich in BOCKER (1997).

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